Medingen (Ortsteil von Bad Bevensen)

Medingen (Ortsteil von Bad Bevensen) | Region: Lüneburger Heide / Südheide

Einwohnerzahlt

Gründung

1228 im Zuge der Gründung des Klosters Medingen

Vorwahl / PLZ

05821 / 29549

Landkreis

Uelzen (Kennzeichen: UE)

Telekommunikation

Glasfasernetz | gute Mobilfunkabdeckung | schlechte DSL-Geschwindigkeit | Kabel-Verfügbarkeit

Einrichtungen

Bushaltestellen | Anleger (Ilmenau) | 2 Spielplätze | Altenpflegeheim

Entfernungen

Einkaufen: 1 km (Bevensen), Bahnhof: 2 km (Bevensen), Allg. Krankenhaus: 16,5 km (Uelzen), Ärzte: 2 km (Bevensen), Freibad: 2,5 km.

Steuern & Abgaben

Grundsteuer A: 530 v.H. | Grundsteuer B: 530 v.H. | Gewerbesteuer: 450 v.H.
Hundesteuer: 1. Hund: €72 Euro, 2. Hund: €108 Euro, mehr: €144, gefährliche Hunde: €500
Wassergeld: 0,79 €/m³ inkl. 7% MWSt. | Abwasser: 2,50 €/m³ [Stand: 2021]

Fläche

0,81 km2

Sondersteuern

Fremdenverkehrsabgabe für Unternehmen, Zweitwohnungssteuer
Medingen
Teilweise Bewölkt
05:0121:28 CEST
Gefühlt: 6°C
Wind: 23km/h W
Feuchtigkeit: 82%
Druck: 1013.88mbar
UV-Index: 0
So.Mo.Di.Mi.Do.
13/7°C
13/6°C
19/7°C
22/10°C
26/13°C

Impressionen

Historische Fotos

Der Ort

Medingen ist ein größeres Dorf mit gut 1200 Einwohnern in fußläufiger Entfernung zu Bad Bevensen. Es teilt sich in den alten Dorfkern und die Neubaugebiete im Bereich Medinger Feld.

Natur & Freizeit

Positiv sind die schöne Natur mit den umgebenden Wäldern, Feldern und der Ilmenau. Es gibt reizvolle Wanderwege und eine empfehlenswerte Paddel- / Kanu- Strecke. Spielplätze sind vorhanden.

Schulen

Heute wird die ehemalige, denkmalgeschützte Dorfschule Medingens als Wohnhaus benutzt. Die Kinder werden daher morgens mit dem Schulbus an mehreren Haltestellen im Ort abgeholt und zur Waldschule (Grundschule) oder zur Gesamtschule KGS nach Bad Bevensen gefahren. Das nächste Gymnasium gibt es in Uelzen, als Privatschule kommt zudem das Gymnasium Lüneburger Heide in Melbeck in Frage.

Entwicklung

Vor 15 Jahren gab es noch einen Bäcker, sowie ein überregional bekanntes Gasthaus und Hotel, heute ist nichts davon geblieben. Die gesamte Infrastruktur im Dorf ist nicht besonders gut, jedoch ist man mit Auto oder Fahrrad sehr schnell im nahegelegene Bevensen. Ausreichend Fitness und Zeit vorausgesetzt, läßt sich alles Nötige auch zu Fuß erreichen. Negativ sind zudem schlecht ausgebaute oder fehlende Fahrradwege, sowie ein zunehmender Kahlschlag, welcher den einst prächtigen Baumbestand des Ortes in den letzten 10 Jahren arg dezimierte. Die schlechte Straßen-Verkehrsanbindung ist ein Standortnachteil. Der Autobahnanschluß an die geplante A39 (Hannover-Lüneburg) sollte seit Jahren fertig sein und hat sich immer wieder verzögert.

ÖPNV

Medingen verfügt über zwei Bushaltestellen, der in Bad Bevensen gelegene Bahnhof ist rund 2km entfernt. Viele Jahre gab es eine kleine Touristenbahn mit attraktiver Taktung, welche auch von Einheimischen benutzt werden konnte. Durch fehlende politische Unterstützung und somit mangelnde Finanzen wurde diese Linie jedoch eingestellt. Der neu entstandene „Bürgerbus“ führt bisher leider nicht nach Medingen. Die heutige ÖPNV-Anbindung des Ortes ist heute ungenügend.

Bahnanbindung

Wer mit der Bahn nach Medingen fahren möchte, muß die Station in Bad Bevensen nutzen. Diese wurde bereits 1864/65 (damals einspurig) eingerichtet, als Teil der Strecke Lehrte-Hamburg, welche heute eine der meistbefahrenen Eisenbahntrassen Deutschlands ist.

Pilgerweg

Der 4.240 km lange Pilgerweg Via Scandinavica (Übersicht | Karte), welcher von Vadstena in Schweden nach Santiago de Compostela in Galicien führt, verläuft ebenfalls durch Medingen.

Spielplätze

In Medingen gibt es folgende Spielplätze:

Geschichte

1228 gegründet als Zweigsstelle eines Zisterzienserklosters war Medingen das private Refugium des Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg.

Die Region

Die Region gilt als bereits früh besiedelt. Bereits vor 150.000 Jahren lebten Neandertaler nahe des knapp 30km entfernten heutigen Bardowick. In der Bronzezeit zwischen 1500 und 600 v. Chr. wohnten Menschen im nahe gelegenen Klein Bünstorf, was dortige Funde aus 59 Grabhügeln belegen. Zu einer wirtschaftlichen Belebung der Region könnte die Gründung des im Jahr 150 erstmals erwähnten Leuphana (Lüneburg) beigetragen haben. Das an Medingen angrenzende heutige Bad Bevensen war schon 763 als Rastplatz für fahrende Händler bekannt.

Erste Spuren

Die erste Erwähnung des Ortes Medingen geht auf die Gründung des Konvent des Klosters Medingen als Zweigstelle des Zisterzienserinnenkloster Wolmirstedt im Jahre 1228 zurück. Zuvor gab es hier bereits das Dorf Zellensen. Die ursprünglichen Kloster-Gebäude entstanden ab 1336 im Stil der Backsteingotik, sie wurden nicht zuletzt als Schutz vor Plünderungen errichtet, welche die Ansiedlung erschwerten.

Das Kloster

Die meisten Ordensfrauen kamen aus dem nahe gelegenen Lüneburg, weshalb das Kloster eng mit der Hansestadt verbunden war und es sich frühzeitig Rechte an der Saline sicherte. Weitere Einnahmequellen waren Zollrechte, etwas Weinbau, sowie die Mühlen und Schifffahrt auf der Ilmenau. Seit 1479 entstanden im Skriptorium, bedingt durch die Klosterreform, welche Schreiben als Andachtsübung auswies, eine große Anzahl einzigartiger, reich illustrierter, persönlich geprägter Gebetsbücher. Mehr als 50 sind bis heute erhalten. 1494 wurde Medingen zur Abtei. Anfang des 16. Jahrhunderts war die Blütezeit, in welcher mehr als 100 Nonnen hier beheimatet waren. 1554 nach zähem Ringen und den Wirren der Reformationszeit, erfolgte die Konvertierung des Klosters in einen evangelischen Damenstift.

1781 vernichtete eine verheerende Feuersbrunst den Großteil der Klosteranlage. Nur das Brauhaus ist bis heute erhalten geblieben. Der Wiederaufbau erfolgte unter der Leitung von Hofbaumeister Christian Ludwig Ziegler bis 1788 im spätbarocken bis frühklassizistischen Stil. In seinen Dimensionen und künstlerischem Anspruch übertrifft es alle übrigen Neubauten evangelischer Klöster weltweit. Möglich wurde dies durch staatliche Mittel von Georg III, König von England und Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg.

Bau des Amtsgerichtes

Das schlossartige Gebäude (auch „Fürstenhaus), an welchem sich der Übergang der Gotik zur Frührenaissance ablesen läßt, wurde 1541 auf Geheiß des protestantischen Herzogs Ernst dem Bekenner zu Braunschweig-Lüneburg, im Streit – der als der Medinger „Nonnenkrieg“ bekannt wurde – mit dem zu diesem Zeitpunkt noch katholischen Kloster Medigen auf der einzigen Zufahrt, gleich neben der Klosterpforte errichtet. Die Äbtissin widersetzte sich seit 1524 der fürstlichen Anordnung zur Konversion zum Lutherischen Glauben und verbrannte die Lutherbibel öffentlich. Das führte 1539 zur Beschlagnahmung des Klosterbesitzes und dem Schleifen von Gebäudeteilen. 1555 kapitulierten die Damen und erhielten nach Annahme des lutherischen Bekenntnisses ihr Kloster und Teile der Güter und Besitztümer zurück. Das Kräftemessen endete 1559 endgültig mit der Umwandlung des Klosters in einen evangelischen Damenstift. Das Fürstenhaus wurde von 1546 bis zu ihrem Tod 1615 von der Tochter Ernst des Bekenners zu Braunschweig Lüneburg bewohnt. Ende des 19. Jahrhunderts bezog das Amtsgericht das Gebäude. Hier wurde bis in die 60er Jahre hinein Recht gesprochen. Heute befindet es sich im Besitz des Gustav Stresemann – Instituts.

Der Klosterhof

Das heutige Trakehner-Gestüt „Klosterhof“ , welcher sich seit den 1960er Jahren im Besitz der Familie Wahler befindet, wurde als landwirtschaftlicher Betrieb vom Kloster Medingen im 17. Jahrhundert gegründet. Der Teil der Stallungen, welcher 1983 einem Band zum Opfer fiel, wurde denkmalgetreu wiedererrichtet.

Eingemeindung

Medingen wurde im Zuge der kommunalen Gebietsreform am 1. Juli 1972 zur Gemeinde der Stadt Bevensen.

Bekannte Persönlichkeiten

Medingen ist eng Verbunden mit der Familie Hintze. Sie betrieb lange die Mühle, welche nicht nur Getreide mahl, sondern auch Strom für die Versorgung des Dorfes erzeugte und bereits sehr früh zu einer elektrischen Straßenbeleuchtung führte. Im 2. Weltkrieg war Fritz Hintze der letzte Kommandant der Scharenhorst, dem ersten nach dem 1. Weltkrieg gebauten deutschen Schlachtschiffs mit welchem er am 26. Dezember 1943 untergang.

Medingen war zudem privates Refugium vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Seine Tochter Annemarie Barbara Ilse Ursula Margarete Eleonore von Beneckendorff und Hindenburg lebte hier mit Ihrem Mann Christian von Pentz. Aus dieser Zeit stammen diverse Photos von seinen Aufenthalten in Medingen. Weitere Informationen finden Sie hier. Die nach dem Krieg geflüchteten Teile der Hindenburgfamilie kamen 1945 nach Medingen und bezogen das Amtsrichterhaus. Einige der Älteren können sich noch daran erinnern, mit den Kindern der Familie gespielt zu haben.

© Text sowie Photos unter „Impressionen“: Volker Heinecke, Medingen